Zwischen 1999 und 2005 ermordet ein Krankenpfleger während seiner Dienste auf Station hundert Patienten in den Kliniken in
Delmenhorst und Oldenburg . Der vom Niedersächsischen Landtag eingesetzte Sonderausschuss „Stärkung der Patientensicherheit und des Patientenschutzes“ kam schließlich 2015 zu der Erkenntnis, dass
"[...]mangelnde interdisziplinäre Kommunikation die Arzneimitteltherapiesicherheit beeinträchtigen kann[...]"; in der Folge
wurde ab dem 01.01.2022 für die Krankenhäuser in
Niedersachsen die Einstellung eines Stationsapotheker:Innen als Beratungsperson vorgeschrieben.
Leider ........................................... nur
in Niedersachsen!
Das ist sehr bedauerlich!
Denn die gesetzliche Vorschrift führte in Niedersachsen schließlich dazu, dass sogenannte
pharmazeutische Visiten eingeführt wurden.
Bei diesen Visiten kontrollieren, beraten und entscheiden Mediziner gemeinsam mit den klinischen Pharmazeuten / Stationsapotheker:Innen zum Wohle des jeweiligen Patienten über die Optimierung einer Medikamententherapie.
Es wird unmittelbar bei der Überlegung einer zu treffenden, neuen Anordnung somit gemeinschaftlich mit sehr hohem Sachverstand festgelegt, ob neue Medikamente mit den bereits eingenommenen und verordneten Medikationen des Patienten "zusammenpassen".
Wechselwirkungen mit möglicherweise schädlichem Effekt für den Patienten können so bereits ausgemerzt werden, bevor sie stattfinden.
Wussten Sie schon, dass das frei verkäufliches Johanniskraut eine komplette Chemotherapie bei Prostatakrebs blockiert und unwirksam macht?
Wussten Sie schon, dass es Medikamente gibt, die mit der Einnahme von Grapefruitsaft einen Herzstillstand auslösen können?
Wussten Sie schon, dass es Medikamente gegen Metastasen beim Prostatakrebs gibt, die in Kombination mit Cholesterinmedikamente zu schwersten Muskel- und Nierenschäden führen?
Das tägliche interdisziplinäre und interprofessionelle Miteinander während der Visite unmittelbar am
(Intensivstations-)Patientenbett, wenn Stationsapother:Innen neben Medizinern auch mit Physiotherapeuten, Atemtherapeuten, Infektiologen u. a. Berfusgruppen diese teils schwerwiegenden
Wechselwirkungen zum Wohle der Patienten erheblich reduzieren, sollte Argument genug sein, Kliniken zu überzeugen, dass dieses Kennzeichnen höchster Qualität in der Patientenversorgung
selbstverständlich sein sollte.
Wie ist/war es bei Ihren Krankenhausaufenthalten?
Hat IHR Krankenhaus Stationsapotheker:Innen ?
Gab es bei Ihnen eine Visite, die sich Gedanken zur Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) gemacht hat?
In NRW organisieren sich die
Stationsapotheker:Innen erfreulicherweise u.a. mit einem regelmäßigen Netzwerktreffen.
Zum letzten dieser Treffen war ich freundlicherweise eingeladen und durfte mit der
Stationsapothekerin Dr. Elisa Johanna
Zimmer gemeinsam einen Vortrag zum Thema halten.
Seit fast 7 Jahren widmen wir uns kooperativ verschiedenster Problemstellungen, die sich durch die
Medikamententherapie unterschiedlichster Erkrankungen ergeben können; aktueller Schwerpunkt: "Metastasiertes Prostata-Karzinom behandeln, Arzneimittelinteraktionen
vermeiden".
Es war eine tolle Erfahrung, sich mit zahlreichen Expert:Innen zur AMTS intensiv auszutauschen und zu erleben, wie stark das Bestreben ist, zu
zahlreichen Anforderungen des medizinischen Alltags Lösungen im Sinne betroffener Patienten zu finden.
Wenn man bedenkt, wie die Bevölkerungspyramide bspw.
die Anzahl an metastasiertem Prostatakarzinom-Erkrankten ansteigen lassen wird und wie teils massive Wechselwirkungen zwischen hochwirksamen Krebs-Medikamente und der täglichen Medikation älterer
Menschen ("Blutdruck", "Zucker", "Cholesterin", "Gerinnungshemmer") die Gesundheit zusätzlich bedrohen können, wird es alleine schon aus urologisch-onkologischer Sicht dringend erforderlich, dass
alle dem Thema Arnzneimitteltherapiesicherheit größere Aufmerksamkeit schenken.
Sie haben Fragen zur Verbesserung möglicher Arneimittelkombinationen? Sie haben Fragen zum Miteinander von Arzt und klinischer Pharmazeutin?
Schreiben Sie mich gerne an!
